Wolfgang Tambour

stellte Holzschnitte, Aquarelle, Radierungen und Ölbilder vom 21. Juni bis 28. Juni 1980 aus.

Zusätzlich zeigten wir Wandkeramiken der Schule für Lernbehinderte Mainz – Mombach (Ausführung Dieter Görgen nach Entwurf der Schülerinnen und Schüler).

Landschaft als Idee gesehen
Ausstellung des jungen Wiener Malers Wolfgang Tambour

Wolfgang Tambours Interesse gilt vor allem der Landschaft und ihrer Darstellung. Dies zeigt auch die Ausstellungsauswahl von 36 Landschaftsbildern. So werden unter anderem Gemälde aus Niederösterreich, Wales und Irland gezeigt. An Techniken sind vor allem Aquarelle vertreten, daneben aber auch Ölgemälde, Radierungen und Holzschnitte. Bestechend bei allen Werken sind die exakt ausgeführten Details, die großes handwerkliches Können und eine ausgefeilte Technik erfordern.
Bei der Auswahl seiner Landschaften geht der Künstler von einem starken persönlichen Naturbezug aus. Trotz häufig recht gegenständlicher Darstellung sieht er Landschaft nicht als ein Abbild von Vorgegebenem, sondern als eine Idee; eine Idee, die in seiner Vorstellung vorhanden ist und danach erst auf der Leinwand Gestalt und Form annimmt. So ist er in der Lage, Landschaften zu malen, die er noch nie gesehen hat, die ihm aber als Idee vorschweben. Typisch für Tambours Landschaften ist, dass sie an sich nicht als attraktiv oder schön bezeichnet werden können, dennoch aber nicht eines pastoralen Reizes entbehren.
Landschaften, so sagt der Künstler, sollen Erinnerungen wachrufen, Erinnerungen an eine Zeit in der der Mensch noch nicht Feind der Landschaft war. Deswegen sind seine Landschaften stets frei von Menschen. Sie zeigen das, was sein könnte, wenn der Mensch nur etwas klüger wäre. So gesehen spiegeln Tambours Bilder eine heile Welt wieder, die erst durch das unbedachte Eindringen des Menschen zerstört wird.
(Kö. | Allgemeine Zeitung Bingen 21. Juni 1980)