Ausstellungskatalog

Ute Gortner, Jie Li und Sakiko Fukaya

2021

Ute Gortner

Ute Gortner, Jahrgang 1950, erhielt ihre Ausbildung zur Graphikerin an der Hochschule für bildende Künste in Kassel und im pariser Atelier des bedeutenden Radierers Johnny Friedländer.

Sie war danach lange Jahre als Kunsterzieherin am Cusanus-Gymnasium in St. Wendel tätig. Daneben arbeitete freischaffend als Malerin, Zeichnerin und Graphikerin in ihrem Atelier in Bexbach und im lothringischen Grimaucourt, wo sie mit ihrem Mann, dem Radierer Thomas Meier-Castel ein Atelier teilte.

1975 erhielt sie ein DAAD Stipendium, 1986 den Kunstpreis der Südlichen Weinstraße, 1988 den Graphikpreis der EU in Paris. Ausstellungen in der Galerie Elitzer, Saarbrücken, in der Landesvertretung des Saarlandes in Bonn, der Galerie Hanna Bekker vom Rath, im Museum St. Wendel, im Musée Barrois, Bar-le-Duc, in der Orangerie Blieskastel und zuletzt 2020 in der Galerie Z im Frank-Loebschen Haus in Landau. Ute Gortner ist nicht neu in Badenheim. Schon 1997 hatte sie – zusammen mit Thomas Meier-Castel – in der Galerie unterm Maulbeerbaum ausgestellt.

Webseite: utegortner.de

Rainer Schoch zu Ute Gortners ausgestellten Arbeiten:

Es ist die Geste, „le grand geste“ – so der Titel der großen Informel-Ausstellung von 2010 -, die Ute Gortners Zeichnungen mit ihrer Plastik verbindet und die als eine zentrale Triebkraft ihrer Kunst gelten kann. Diese Gestik ist nicht notwendigerweise identisch mit theatralischem Pathos. Sie findet sich auch in der stillen, einfühlsam wahrnehmenden Zeichnungen der jüngeren Zeit, die mit gestischer Bewegung aus dem Handgelenk auf Naturerscheinungen antworten. Diese sparsam – quasi kammermusikalisch – instrumentierten, Blätter wecken mit dem Staccato ihrer kurzen senkrechten Kreidestriche zwar die Vorstellung von Schilf oder Gräsern, sind jedoch mehr als Naturnachahmung. Sie verweisen auf einen tieferen Zusammenhang zwischen der äußeren Natur und dem individuellen zeichnerischen Duktus.

Grafikerin von Haus aus, überrascht Ute Gortner in dieser Ausstellung mit einer Gruppe plastischer Arbeiten aus den Jahren 2020 – 2021. Gebogene, schwarz lackierte Metallbänder – manche mehrteilig ineinander verschlungen – formen sich zu Wellen, Spiralen oder Schleifen, teils entspannt in sich ruhend, teils melodiös schwingend, teils temperamentvoll sich aufbäumend. Die raumgreifende und raumschaffende, rhythmische Bewegung erscheint als das Generalthema dieser neuen Werkgruppe.

Wie zur Erklärung stellt ihr die Künstlerin ältere, großformatige Kreidezeichnungen aus der Zeit um 1992 gegenüber, die  Zusammenhänge und Kontinuitäten andeuten: Aus der vehementen Bewegung der Spitze und der Breitseite des Kreidestifts entstehen breite Bahnen und spitze Lanzettformen – bald pflanzenartig wachsend, bald metallisch schneidend. Verstärkt durch eine breite, Räumlichkeit andeutende Aquarellierung, erscheinen sie wie Vorboten der aktuellen plastischen Arbeiten. 

Jie Li | Sakiko Fukaya

Fukaya, Sakiko  1993 in Nagasaki, Japan geboren

Li, Jie 1984 in Hangzhou, China geboren

Beide wohnen in München

Studium: Akademie der bildende Künste München, Freie Kunst- Malerei und Graphik

Sakiko und Jie haben beide in der Klasse Axel Kasseböhmer an der Akademie der bildende Künste in München studiert, und als Meisterschülerinnen absolviert. Dort haben sie sich als Kolleginnen  und Kunstpartnerinnen kennengelernt und befreundet.

Die Zusammenarbeit fängt von der Jahresausstellung 2017 an, eine Rauminstallation mit Malerei und Bildhauerei in ihren mini Atelier von Dachgeschosszimmer in der Akademie. Danach haben die Künstlerinnern auf zahlreiche Ausstellungen erfolgreich beworbenund und sich weiterentwickelt. Die Installation ist eine Verschmelzung von Licht, Linien, Formen, Material und Kulturen.

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Franziska Pfaff und Ulrich Schreiber

2020

Die Galerie zeigte ein Tête à Tête mit zwei Künstlerpersönlichkeiten.

Diverse zeichnerische und installative Arbeiten von Franziska Pfaff (21) und von Ulrich Schreiber (59) trafen aufeinander.

Die junge Sicht auf die Welt ergänzt sich mit dem erprobten Umsetzen von Ideen.

Experimentelles Ausprobieren und das routinierte Bespielen von Räumen beflügeln sich gegenseitig. Gemeinsam erobern sie Räume, die nicht als Ausstellungsräume konzipiert waren: ursprünglich belassene Situationen, die mit den Werken der beiden Kunstschaffenden bespielt werden und so im Ensemble der romantischen Hofreite Bedeutung erlangen. (Annette Willwohl)

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Dirk Pleyer

2019 – IM DRAUSSEN

Dirk Pleyer wurde 1968 in Recklinghausen geboren und studierte Grafik-Design an der FH Dortmund und Malerei an der »Nuova accademia di belle arti« in Mailand. Er lebt und arbeitet in Dortmund.

In seiner Malerei kombiniert er die Eigenständigkeit der Abstraktion mit klassisch-landschaftlichen Aspekten. So entstehen Spannungsstufen zwischen abstrahierter Scheinräumlichkeit, neoromantischer Gefühlsregung, klassisch aufgebauter Bildkonstruktion und informeller Gestik.

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Chunqing Huang

2018 – Das Konzept der Kunst

Chunqing Huang stammt aus Heze in China und zog, nach ihrem Studium Free Graphic and Painting an der Central Academy of Fine Arts in Peking, 2000 nach Deutschland.   Von 2000 bis 2004 studierte sie an der Städelschule (Staatliche Hochschule für Bildende Künste, Frankfurt) bei Prof. Peter Angermann, Prof. Hermann Nitsch und Prof. Wolfgang Tillmans und schloss das Studium Fine Arts and Interdisciplinary Arts als Meisterschülerin ab.  Sie arbeitet mit verschiedenen Medien – malt, photographiert, kreiert Filme und Installationen.

Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main and Peking.

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Heike Negenborn

2017 – Weitblick

Heike Negenborn konzentriert ihr künstlerisches Schaffen auf Landschaftsdarstellungen und vermag dabei diesem Genre neue Aspekte jenseits der üblichen stilistischen Zuordnungen abzugewinnen. Ihre Werke basieren auf einem genauen Beobachten und Analysieren von Gelände und Bewuchs, von räumlichen Strukturen und eindrucksvollen Wolkenformationen. Einerseits wird das Wesentliche einer Landschaft im Zusammenhang erfasst, andererseits tritt zu dem Gesehenen und Erlebten die bewusste Komposition.

Der Bildgestaltung liegt ein ausgefeiltes Raster zugrunde. Es hilft nicht nur, zweidimensional die Proportionen der Landschaft auf die Bildfläche zu übertragen, sondern auch den Blick über eine weite Landschaft zum tiefen Horizont hin zu lenken. Perspektivische Konstruktionslinien kehren hier in die Landschaftsmalerei zurück und sind weit mehr als ein bloßes Hilfsmittel. Durch sie klärt Heike Negenborn ihr eigenes Verständnis der jeweiligen Landschaftsstrukturen. Darüber hinaus setzt sie das Liniennetz bewusst zur Bildgestaltung ein. In Zeichnungen, die vor der Natur entstanden, in Radierungen, aber auch in Acrylgemälden zeigt sie offen ihre rationale Vorgehensweise, die Welt zu vermessen und zu erfassen. Sichtbar belassene Rasterlinien und gesehene Landschaftsstrukturen (z. B. Lage und Ausdehnung der Weinberge, der Acker- und Wiesenflächen, der Hecken und Alleen und auch der Siedlungen) überlagern sich, werden so auch für den Betrachter deutlich und nachvollziehbar. Doch kein Bild ist als fotorealistische Wiedergabe einer vorgefundenen Situation zu verstehen. Heike Negenborn korrigiert durchaus die Natur im Sinne ihrer eigenen künstlerischen Absichten, ergänzt, versetzt oder „übersieht“ reale Landschaftselemente. Zwar entsprechen die Farben den in der Natur möglichen, doch wählt die Malerin im Atelier ihre Palette nach bestimmten Regeln aus, die sie sich selbst und mit ihrem Lehrer Prof. Peter Lörincz erarbeitet hat. Ihre Bilder wirken in jeder Hinsicht durchdacht und in sich stimmig.

Beherrscht ein eher nüchterner, berechnender Blick die Behandlung des Irdischen, so bringt ein mal heiteres, mal dramatisches Wolken-, Licht- und Schattenschauspiel am Himmel besondere, gefühlsbetonte Stimmungen in Heike Negenborns Landschaften hinein. Wolkenformationen und die Weiten des Himmels entziehen sich eigentlich einem kühlen perspektivischen Erfassen und Vermessen. Ständig sind Wolken in Bewegung, verändern Gestalt und Färbung. Heike Negenborn fotografiert die Schauspiele am Himmel, die sie ergreifen. So sind sie jederzeit im Atelier für die malerischen Kompositionen abrufbar, um sie mal mit dieser, mal mit jener Landschaft, mal mit Sonnenlicht, mal im Gewitterdunkel zu erproben.

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Waldemar Erz

2016 – Impressionen aus Rheinhessen

Die Wege kreuzen sich an vielen Stellen, wenn man durch Rheinhessen wandert. Es öffnen sich unzählige, überraschend schöne Einblicke. Dörfer und Städte, die verstreut und doch nah beieinander liegen, zeigen die Lebendigkeit und Vielfalt der Region. Die Menschen hier lebten immer zusammen. Das macht unser Rheinhessen so einzigartig.

Waldemar Erz: „Ich lebe gern in Rheinhessen und möchte diese Nähe mit meinen Bildern zum Ausdruck bringen. Die Malerei ist ein Ausdrucksmittel meiner persönlichen Welt. Diese ist durchaus „positiv“ und „energisch“. Wenn ich meinen Malstil beschreiben soll, dann ist er schwungvoll, dynamisch und hat eine Mischung aus Pop-Art und Street-Art. Ich variiere zwischen abstrakter und figürlicher Darstellung. In der Malerei versuche ich den schöpferischen Prozess bewusst so wenig wie möglich zu beeinflussen. Ich bin stets auf der Suche nach etwas Neuem.“

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Auszeichnungen

2. Platz, „Stiftung Kultur 2016“, im Fachbereich „Gestalterische / Bildnerische Kunst“

Susanne Mull

2015 – Porträts und Landschaftsbilder

„Die Entscheidungen für die Präsentation eines Werks werden allein von der Freude an und der Zuneigung für die Sache getragen. Die Anregungen dazu kommen von Freunden und Bekannten oder ereignen sich im Vorübergehen. So war der Geburtshelfer der aktuellen Ausstellung der Zufall oder, wenn man so will, das Schicksal. Der Ingelheimer Malerin Susanne Mull brachte ein großes Selbstbildnis den ersten Preis eines Pastell-Wettbewerb in den USA ein. Ein kurzer Bericht darüber in der lokalen Zeitung, vor allem aber die Abbildung, setzte sich im Gedächtnis von Auernheimers fest. Nun hängt das Original jener Arbeit mit einigen weiteren Porträts in einem Raum in Badenheim. Die Künstlerin in einer weißen Bluse schaut darauf mit dem klaren und durchdringenden Blick dem Betrachter entgegen. Maleraugen, wie mit ihnen seit Jahrhunderten die Künstler auf ihren Selbstdarstellungen über die Zeiten hinweg in die Gegenwart blicken. Sie hält Stifte und Pastellkreiden, ganz wie ihre Kollegen aus dem achtzehnten Jahrhundert Anton Graff oder Étienne Liotard. Neben den repräsentativen Einzelporträts zeigt eine kleine Serie Studien eines Mannes mit gezwirbeltem Schnauzbart. Launig neigt dieser den Kopf oder blickt in die Höhe, wie die Heiligen eines Guido Reni. Die 1967 in Hannover geborene Künstlerin zeigt darin einen frischen Witz. Dieser gleitet nie ins literarisch-anekdotische ab, sondern ist immer von ihrem malerischen Können gefasst. (…)

Außer der kleinen Suite von Porträtköpfen umfasst die Ausstellung ausschließlich Landschaften. Diese sind alle in Skagen entstanden. Jenem Ort in Dänemark den sich vor hundert Jahren, ähnlich wie Worpswede oder Murnau, eine Künstlergruppe ausersehen hatte.“ (Sebastian Hennig, 2015)

Susanne Mull, 1967 in Hannover geboren, wohnt seit 1992 in Rheinhessen and arbeitet als bildende Künstlerin. Sie erhielt regelmässige Weiterbildung bei namhaften Künstlerinnen und Künstlern im In- und Ausland, z.B. bei der Oppenheimer Sommerakademie, der Kunsthochschule Mainz, der Kunstwerkstatt Mainz, als Schülerin von Dietmar Gross und bei zahlreichen Studienreisen.

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Auszeichnungen

Pastel Journal (USA), 2. Platz in der Kategorie „Landscape and Interior“
Pastel Guild of Europe, 1. und 2. Platz „A Manmade Landscape“
1er Salon International Pastel d‘ Opale, Grand Prix du Salon
Past Journal (USA), 1. Platz in der Kategorie „Portrait“